DVB-T Abschaltung: Was ist DVB-T2HD und warum wird es eingeführt?

Vielleicht habt ihr schon davon gehört. Ab dem 29. März diesen Jahres, also in gut einem Monat, wird der “alte” DVB-T Standard in Deutschland abgeschaltet und der neue Standard DVB-T2HD startet. Wie eigentlich jedes Mal, wenn irgendetwas abgeschaltet oder verändert wird, gibt es Verunsicherungen. Bin ich davon betroffen? Was muss ich tun um weiterhin Fernsehen zu können? Gibt es Alternativen? Warum ein neuer Standard, wenn der alte doch noch funktioniert? Und warum überhaupt noch lineares Fernsehen? Nach bestem Wissen und Gewissen versuche ich diese Fragen jetzt zu beantworten und hoffentlich einiges aufzuklären.

 

Wer ist überhaupt von dieser Umstellung betroffen?

Um ehrlich zu sein, nicht viele. Solltet ihr eine Satellitenschüssel auf dem Dach haben, Kabel-TV empfangen, IPTV, z.B. über Telekom Entertain, nutzen oder über Anbieter wie Magine oder Zattoo Fernsehen genießen, so seid ihr fein raus. Für diese Nutzergruppen ändert sich absolut gar nicht, auch wenn manche Anbieter somit versuchen Kunden zu locken.

Wer Fernsehen über Zimmerantenne schaut, ist betroffen.

Habt ihr aber eine Dach-, Außen oder Zimmerantenne, so seid ihr Teil der betroffenen Gruppe. Aber, um das auch nochmal kompliziert zu machen, gilt die Abschaltung vorerst NICHT für alle. Da die meisten DVB-T Nutzer aber in und um Großstädten wohnen, sind dann doch irgendwie alle betroffen. In ländlichen Regionen ist es mit DVB-T eher Essig. Ein wichtiges Indiz dessen, dass man betroffen ist, sind die Banderolen, die viele Sender ab und an ausstrahlen. Da steh dann sowas wie “Ab dem 29.März ist Schluss mit DVB-T. Informieren sie sich auf folgenden Webseiten… .”, oder so ähnlich. Den genauen Wortlaut kenne ich natürlich nicht :D. Dennoch ist Panikmache auf keinen Fall der richtige Weg. Wenn man mit der Ruhe an die Umstellung geht, auch wenn nur noch ein Monat bleibt, so kann man die richtigen Entscheidungen für sich treffen.

Was muss ich als Betroffener tun um weiterhin über Antenne Fernsehen zu schauen?

Eigentlich ist es ganz einfach. Entweder, man hat einen 4K Fernseher, dann ist man fein raus. Diese haben den HEVC-Codec in der Regel schon eingebaut und man kann einfach so weiterschauen. Nach einem Sendersuchlauf natürlich.

Mit diesem Logo kann der Receiver die öffentlich-rechtlichen Programme und mit CI+-Modul auch die privaten Empfangen | © Projektbüro DVB-T2 HD Deutschland

Ist der Fernseher jedoch älter, so wird man um einen neuen Receiver nicht drum rum kommen. Welchen man kauft, ist auch hier abhängig von mehreren Faktoren. Brauche ich die privaten Sender? Wieviel Geld bin ich bereit auszugeben? Ist mir eine Internetanbindung wichtig? Diese Fragen muss jeder für sich selbst beantworten. Braucht man nur die öffentlich-rechtlichen Sender und kein Internet, so ist man ab ca. 40€ dabei und hat auch dann, abgesehen von dem Rundfunkbeitrag und Strom, keine weiteren Kosten. Will man jedoch die privaten Sender schauen, braucht man entweder einen Receiver mit Freenet TV Logo, oder aber einen mit CI+ Schacht. Denn diese Sender werden grundsätzlich verschlüsselt übertragen. Hat der Receiver ein Freenet TV Logo ist auch da weiterhin, außer natürlich dem Betrag für Freenet TV, nichts weiter zu beachten. Hat man jedoch einen 4K Fernseher, der DVB-T2HD kann, oder aber einen Receiver mit CI+-Schacht, der nicht das Freenet TV Logo hat, braucht man noch das Freenet TV CI+-Modul. Dieses kostet wieder um die 80€.

z.B. mit der Samsung Media Box Lite (GX-MB540TL) kann man auch die privaten Sender schauen

Wichtiger Hinweis hier: Kauft keine DVB-T2 Receiver günstig bei eBay oder im Ausland. Dort nutzt DVB-T2 noch den alten Videocodec h.264 während hierzulande h.265 nötig ist. Diese Receiver laufen deshalb in Deutschland mit ziemlicher Sicherheit nicht.

Was ist eigentlich Freenet TV und warum möchten die Privatsender auch noch Geld von mir sehen?

Terrestrisches Fernsehen allgemein ist sehr teuer in der Übertragung und die Anzahl an Menschen, die damit erreicht werden ist auch verhältnismäßig gering. Somit sehen viele Sender keinen Grund über DVB-T zu übertragen. Aufsehen erregt hat ja schon vor einigen Jahren die Ankündigung einiger privaten Sender, dass sie sich komplett von DVB-T zurückziehen. Hätten sie das gemacht, wäre DVB-T als Übertragungsweg gänzlich gestorben. Somit ist Freenet TV ein Grund, dass DVB-T2HD in Deutschland starten kann, denn ohne dieses Geld wären die privaten Sender und somit auch viele Kunden raus.

Wer die privaten Sender empfangen möchte, sollte auf dieses Logo achten | © Mobilcom Debitel

Natürlich kann man sich immer fragen, ob die 5,75€ im Monat für die privaten Sender, die sowieso werbeverseucht sind, nicht zu viel sind. Ich sag mal so; wenn die privaten Sender anfangen würden mehr qualitativ hochwertiges Programm zu senden und weniger Werbung gleich mit dabei, dann ist diese Gebühr sehr angemessen. So wie es jetzt ist, bleibt jedoch mindestens ein saurer Beigeschmack.

Kommen wir nun ein bisschen zu der Frage, warum die Plattform “Freenet TV” heißt, denn Free ist da eigentlich nichts. Nun, Betreiber von DVB-T2HD in Deutschland ist die Media Broadcast. Ein Unternehmen, dessen Produkte viele nutzen, aber kaum einer weiß es. Sie kümmern sich neben DVB-T2HD auch um einige Satelliten-Sender, Kabelnetze und Radiosender. Dieses Unternehmen wurde vor kurzem von Mobilcom Debitel, Tochter von Freenet, gekauft. Freenet kennt manch einer noch von früher. Viele hatten von denen einen DSL-Anschluss oder ein EMail Postfach. Zu denen gehört unter anderem noch Gravis. Mit dem Namen Freenet TV möchte man also sein eigenes Unternehmen in den Fokus stellen und seinen Namen in die Köpfe der Leute rücken.

Warum wird denn eigentlich DVB-T abgeschaltet und durch DVB-T2HD ersetzt?

Einerseits liegt es daran, dass DVB-T “nur” in SD Qualität sendet. Wenn man einen 50 Zoll TV hat, wird man damit nicht zufrieden sein. Bei DVB-T2HD werden alle Sender, auch dank dem HEVC (h.265) Codec, in 1080p50, also Full HD mit 50 Bildern pro Sekunde, ausgestrahlt. Damit bietet man die derzeit beste Qualität was TV angeht.
Andererseits sind auch die Mobilfunkunternehmen Schuld an der Umstellung. Diese sind nämlich ganz stark an zusätzlichen Frequenzen interessiert. Ab 2019 gehen einige, die vorher von DVB-T genutzt wurden, an die Mobilfunker. Somit ist ein neuer Standard auf jeden Fall notwendig. Denn HEVC ist ein stärkeres Komprimierungsverfahren, sodass mehr Sender auf weniger “Raum”, also Frequenzbänder, übertragen werden können.

So, das war es nun erstmal mit dem ersten Teil zur Umstellung auf DVB-T2HD. Im nächsten Artikel geht es um einige Alternativen zu DVB-T2HD und deren Vor- und Nachteile. Solltet ihr bis dahin noch Fragen haben, stellt sie gerne in den Kommentaren und schaut auch auf den Webseiten von DVB-T2HD und Freenet TV nach 😉 . Sollte noch jemand irgendwelche Fragen oder Anmerkungen haben, schreibt es gerne in die Kommentare.

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