Von Android zu iOS !?

Ich habe so meine Hochs und Tiefs mit Betriebssystemen. Mein erstes Smartphone war ein Nokia Xpress Music 5800 mit Symbian, dann bin ich nach dem schmerzhaften Sterben Symbians auf diverse Androidtelefone umgestiegen, hab zwischendrin dann mal für 3 Generationen auf iPhones gewechselt, um mich dann wieder im Androidlager wiederzufinden. Ich habe also vieles mal mitgemacht. Windows Phone hatte ich tatsächlich nur als Zweitgerät zum Testen, Firefox OS und Jolla hatte ich nur sehr kurz in der Hand. Das war mit doch zu krass.

Momentan habe ich mit Android eine Hassbeziehung und was liegt da näher, als mal wieder über den Android-Tellerrand zu gucken!? Die Mädels und Jungs von 1&1 waren so nett und haben mir für einige Wochen ein iPhone 7 mit 128GB Speicher zur Verfügung gestellt und ich möchte euch von dieser sehr persönlichen Reise erzählen. Ich gehe dabei natürlich all in und habe das iPhone als meinen Daily Driver dabei. Im Folgenden findet ihr einen sehr subjektiven Gang durch die Betriebssysteme. Ich gehe weniger auf die Hardware an sich ein, denn ihr wisst alle wie ein iPhone aussieht und seine Specs sollten auch hinreichend bekannt sein.

Normalerweise habe ich ein Nexus 5x als Daily Driver und ich bin mir darüber bewusst, dass das Nexus 5x älter ist und damit ein direkter Vergleich schwierig ist. Als Techblogger habe ich aber ständig verschiedene Telefone in der Hand oder zumindest längere Zeit zum Testen hier. Ich bin auch von Android als OS im Moment genervt und nicht nur von meinem Nexus 5x. Soviel dazu. 😉

Courage – das Fehlen des Headphone Jacks

Fangen wir trotzdem mit einem Teil der Hardware an, weil es heiß diskutiert wurde und auch ich meine 5Cent dazu abgeben muss. Die 3,5mm Klinkenbuchse fehlt am iPhone 7.
Problem oder eher nicht?
Zu Beginn muss man ja sagen, dass die mitgelieferten Kopfhörer perfekt in mein Ohr passen und ich ansonsten meine Jabra BT-Kopfhörer habe. Soweit, so gut, alles kein Problem!?
Ich bin mit dem iPhone 7 in den Osterurlaub gefahren und habe natürlich AUF DEM FUCKING HINWEG den Adapter (Lightning auf Klinke) verloren.

Geile Sache.

Nicht.

Ich war den ganzen Urlaub von der Anlage im Haus abgeschnitten, weil die natürlich nur einen Klinkenanschluss hatte und konnte meine großen Kopfhörer nicht per Kabel benutzen, wenn ich mal vergessen hatte den Akku zu laden. Außerdem konnte ich im Auto keine Podcasts hören. You get the idea. Wenn ich das iPhone gekauft hätte, dann würden jetzt überall diese Adapter rumliegen, dann wäre das wahrscheinlich auch einfach kein Problem gewesen. Zu Hause war es ebenfalls kein Problem, weil ich hier sowieso schon auf BT und Chromecast umgestiegen bin.
Für mich persönlich ist der fehlende Klinkenanschluss kein Ausschlusskriterium, unpraktisch ist er in der heutigen Welt aber schon noch und mit Schmerzen war es außerhalb meines Wohnraumes auch verbunden. Die Frage in meinem Fal istl: Ist der Schmerz ohne Kopfhöreranschluss höher, als der Schmerz durch Android im Moment?

Teilen und Sharen – Das Dateisystem 

Der Grund warum ich von meinem iPhone 5 damals zu Android gewechselt bin, war lustigerweise ein Testgerät für einen Podcast. Ich hatte die Gelegenheit das Sony Xperia Z3 Compact zu testen und Androids Fähigkeit Daten hin und her zu schieben hat mich fertig gemacht. Ich saß die ganze Zeit da und dachte mir: WARUM KANN iOS DAS NICHT?
Für mich war das damals genug Grund zu wechseln. Das war noch lange vor dem Document Picker und ich muss gestehen, dass die Welt heute anders aussieht. iOS ist Android durch das sandboxing der Apps und den (noch) fehlenden Explorer (iOS 11 wird ja jetzt Files bringen) einfach noch unterlegen, was den Bereich Datenmanagement angeht. Eine Datei im Browser runterladen und Tage später wiederfinden, bearbeiten, in einer anderen App aufmachen und dann hochladen geht zwar auch mit iOS, aber dann brauche ich eine Verwaltungsapp wie Documents und muss mit dem Document Picker umgehen können. Mit Umwegen und Wissen und vo allem Wollen geht das heute, auch wenn Android hier definitiv die Nase vorne hat!
Ich brauche dieses Feature heute aber auch viel weniger als früher und weiß jetzt auch wie ich es unter iOS hinbekomme. Für mich als Nerd stellt sich hier natürlich auch die Frage, braucht mein Opa das überhaupt? Ich komme gleich noch zu den Apps und wenn ich mir die meist genutzten Apps angucke, dann ist ein Dateimanagemnt kein Bedürfnis der Massen. #steileThese

Heimelig fühlen

Was iOS kann, wie kein anderes Betriebssystem, ist es mich mit dem Gerät verbunden fühlen zu lassen. Es fühlt sich heimelig an iOS zu benutzen, mir fehlt dafür ein besseres Wort. Android kann sehr hübsch sein, manchmal ist es funktional, manchmal bunt, manchmal auch einfach komisch. Je nach Hersteller sieht es immer ein wenig anders aus, aber irgendwie auch gleich. Google hat es mit dem Material Design geschafft, dass Android einen Wiedererkennungswert hat und das ist gut so! Hersteller wie Samsung schaffen es auch mit der Hardware des S7 edge mich in ihren Bann zu ziehen. Ich persönlich finde das S7 edge und das S8 sind die schönsten Telefone da draußen und das abgeschlagen! (#Geschmackssache)
Sie sind gut gebaut, sehen geil aus, fühlen sich gut an und alles passt. Ein iPhone ist imho nicht besonders hübsch, aber solide gebaut. Trotzdem fängt es mich mehr ein und das liegt an den Details der Software und nicht an der Hardware. Am Ende des Tages haben die meisten doch eh eine Hülle über ihrem Telefon. ¯\_(ツ)_/¯

Das heimelig Fühlen fängt schon mit dem Einrichten an. Wenn man iOS einrichtet, dann begleitet einen der Assistent mit angenehmen Vibrationen und haptischen Feedback durch die Installation. Im OS und den meisten Apps bekommt man ein konsistentes Feedback über Vibrationen und Töne. Das Ganze ist einfach sehr gut durchdacht und das setzt sich meiner Meinung nach auch in den Apps fort. Android Apps sind gut, aber iOS Apps sind oft einen kleinen Tick besser, weil sie auf den letzten Metern noch die 2% Design richtiger machen. Aber lasst uns tiefer in Apps einsteigen…

Apps

Wusstet ihr schon, dass diese Stores von Telefonen sau viele Apps haben!? Apple und Google vergleichen gerne die pure Anzahl ihrer Apps im Store und ich muss jedes Mal darüber schmunzeln. Am Ende benutzt der Durchschnittsmensch ausschließlich Cross Plattform Apps.

Das mobile Betriebssystem ist also mit Verlaub gesagt, vollkommen egal. Okay, fragen wir nochmal bei Windows Phone nach, da fehlen die Basics und niemand nutzt es. ¯\_(ツ)_/¯ Android und iOS sind aber bei den meist genutzten Apps auf demselben Niveau. Man kann noch über die Feature der einzelnen Apps sprechen und welches OS sie zuerst bekommt, aber: Come on. Who fucking cares? Solange WhatsApp, Facebook und Co. da sind und funktionieren, ist die Welt doch in Ordnung.
Wenn man sich den Bereich der special interest apps anguckt, dann sieht es anders aus. Als Lehrkraft interessiert mich der Bildungsbereich und da setzen fast alle auf iOS. Warum das so ist, das ist umstritten, aber ein Teil wird an der Zahlungsmentalität liegen. Für mich hat Apple auch schon immer die Nase im Produktivitätsbereich vorne gehabt. Mail und ToDo-Apps oder auch Kalender sind unter iOS meiner Meinung nach schöner gestaltet und funktionaler. Design ist aber Geschmackssache.
Mit meinen Androidtelefonen habe ich auch meine ganze Arbeit erledigt bekommen und habe kein Augenkrebs bekommen. Hier sind meine zwei Home Screens. Ihr seht, dass es gar nicht sooo anders aussieht.

Live Fotos

Ach, was habe ich Live Fotos belächelt, als Apple sie mit dem iPhone 6s angekündigt hat und was vermisse ich sie jetzt, wo ich kein iPhone 7 mehr habe. ¯\_(ツ)_/¯ Oft sind sie einfach nur Belastung für den internen Speicher, aber in einigen wenigen paar Prozent der Fotos sind sie Gold wert. Im Urlaub habe ich richtig geile Live Fotos geschossen. Diese wenigen Momente vor und nach dem Bild erzeugen einfach schöne Erinnerungen und sau lustige gifs. Ich würde euch jetzt wirklich gerne welche zeigen, aber die besonderen Momente sind alle mit der Familie gewesen und die möchte hier keine Bilder sehen. Ich musste mich allerdings auf das Konzept einlassen, würde aber jetzt schon alleine wegen Live Fotos immer zum iPhone mit mehr Speicher greifen. Die Hater lachen jetzt und sagen, dass Apple mich erwischt hat und haben Recht. Mir als Vater und Familienmensch ist das aber einfach wichtig.

Sicherheit und Privatsphäre

Als ich das iPhone bekommen habe, konnte ich es nicht aktivieren. Der Tester vor mir hatte das Gerät mit seiner iCloud verbunden und beim Zurückschicken nicht ausgetragen. Für mich persönlich ein pain in the ass. Ich hatte das Gerät hier mehrere Tage rumliegen und konnte genau NICHTS damit machen. Es gibt keinen legalen Weg das zu überbrücken und so wie ich das verstehe auch keinen illegalen Weg.
Zum Aktvieren braucht man eine funktionierende Sim und Internet. Erst wenn auf dem Apple Server geprüft wurde, dass das Gerät nicht an jemand anderen gebunden ist, kann man es aktivieren und dann auch erst benutzen. Ich liebe das! Ich möchte sowas auch für Android, denn so sehr mich das auch in diesem Fall nervte, desto tröstender war das Gefühl, dass eventuelle Diebe mit meinem Telefon dann auch relativ wenig anfangen könnten. Zumindest in absehbarer Zeit.
Im Bereich der Sicherheit treffen die zwei Paradigmen Sicherheit durch Offenheit und Sicherheit durch Geschlossenheit aufeinander. Welchem Lager man angehört, bestimmt irgendwie welches OS man favorisiert. Fakt ist, dass Android als Plattform ein Problem mit Updates hat und, dass das an vielen Faktoren liegt. Die einzige Zahl, die hier für mich aber zählt ist das Jahr 2013. In diesem Jahr ist das iPhone 5s mit iOS 7 erschienen und bekommt jetzt noch iOS 11. Das Nexus 5 bekommt von Google nur noch Android 6.0.1 (Quelle Wikipedia). Custom Roms sind für uns Nerds eine Option, aber eben auch nur für uns. Mein Opa macht das nicht. Über das zwei Jahre alte, billige Samsung Telefon müssen wir hier gar nicht reden. Ich warte auf die ersten Botnetze billiger Chinatelefone.

Wechseln?

Meiner Meinung nach ist das Wechseln zwischen Android und iOS heute so einfach wie selten. Für mich findet ein ganz klarer Trend weg von Apps, hin zu Diensten statt und das macht es einfacher. Viele Apps sind cross plattform und damit kein Hindernis mehr.
Ob man von Android zu iOS wechseln sollte? Naja, das kommt drauf an. Für mich und in meiner Erfahrung ist iOS stabiler und verlässlicher. iOS ist für mein Verständnis das sicherere System und schützt meine Privatsphäre mehr. Wenn man allerdings sowieso sein Leben auf Google Diensten aufbaut, so wie ich das mit meinem Google Apps Account mache, dann ist das Privatsphäreargument auch eher Augenwischerei.
Es gibt aber auch Gründe, die gegen iOS sprechen! Zum einen: Meine Fresse sind iPhones teuer. Man bekommt für VIEL weniger Geld Telefone mit Android, die mich auch meinen stuff erledigen lassen. Diese Telefone sind natürlich nicht so gut wie ein iPhone oder S8, aber eben auch nicht mehr schlecht. Für mich ist ein 200€ Androidtelefon aus China aber ein Sicherheitsalbtraum. ¯\_(ツ)_/¯ Diese Einstellung muss man sich aber auch erst mal leisten können! iPhones sind und bleiben ein Luxusprodukt. Bei Menschen, die ein S8, ein G6 oder ein U11 haben, ist der Preis aber sowieso irrelevant. Kostet am Ende alles das gleiche, wenn man es direkt beim Erscheinen kauft. Die Gebrauchtpreise sind da nochmal ein ganz anderes Thema.
Ich für meinen Fall habe gewechselt. Ich habe die Möglichkeit eine Weile ein iPhone 6 zu benutzen und das Ding läuft tatsächlich wesentlich besser als mein Nexus 5x. 0_o Ich plane außerdem mir das nächste iPhone zu kaufen. Ich fühle mich heimelig, ich vermisse im Moment und freue mich schon wieder auf Live Fotos. Mein iPhone 6 ist noch nie abgestürzt und anders als mein Nexus 5x bringt mich der Akku noch über den Tag, was vor allem an der stand by Zeit liegt.

P.S.

Auch bei Apple ist nicht alles Eitel-Sonnenschein. Kurz bevor ich den Text hier veröffentlicht habe, ist mir das Display gestorben. Tausche es jetzt aus. Kostet mich 70€.

Jens Kessler

Ich bin ein Technikenthusiast und ein Liebhaber von schönen Dingen. Als angehender Lehrer interessieren mich nicht nur die pure Technik, die nackten Zahlen und das schärfere Display, sondern auch die gesellschaftlichen Implikationen. Wie verändert Technik unser Leben und das Leben der zukünftigen Generationen? Welche Einsatzmöglichkeiten bieten sich in der Bildung? Wie wird Technik gesellschaftlich aufgenommen?

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