Huawei Mate S im Test

Schick, schlank und schnell. So könnte man das Mate S, das in den nächsten Tagen zum Verkauf verfügbar sein sollte, mit drei Worten beschreiben. Ob das allerdings den doch relativ hohen Preis rechtfertigen kann erfahrt Ihr hier im Test.

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Design und Verarbeitung

Wenn man das Huawei Mate S in der Hand hält, merkt man sofort, wie hochwertig es ist. Haptisch einfach 1. Klasse, trotz der 5,5 Zoll will man es einfach nicht mehr loslassen. Besonders beeindruckend fand ich hier den Glasrand, der leicht abgerundet wirklich einen guten Eindruck hinterlässt.

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Alles wirkt wirklich Top. Bis auf der Powerbutton. Ja einen Punkt muss ich hier einfach abziehen, denn der Powerbutton raschelt und wackelt. Nichts was einem den Spaß wirklich verdirbt, aber trotzdem ein wenig nervig. Auch wenn das Smartphone auf der Kamera aufliegt, ist diese zum Glück aus kratzfreiem Saphirglas. Hier sollte also nichts verkratzen. Zuletzt wirkt das Smartphone für die Größe außerordentlich dünn und leicht, was sich durchaus gut anfühlt.

Hardware und Leistung

Das Herz des Handys bildet der Kirin 935 Octa-Core, der mit 2,2 GHz taktet. Das Smartphone verfügt über 3 GB RAM, was derzeit für ein Flaggschiff normal und auch ausreichend ist. Bei uns hat das Mate S im Antutu Benchmark eine Punktzahl von 51 939 erreicht und liegt somit vor Flaggschiffen wie dem Galaxy Note 4 oder dem direkten Vorgänger, dem Mate 7.

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Alles in allem sei gesagt, dass das Handy bei längerer Benutzung kaum wärmer wird, und super flüssig läuft. Ruckler gibt es keine. Der SIM und SD Karten Slot ist seltsam. Auf der Pressekonferenz hieß es, man könnte zusätzlich zu einer SIM zwischen SD Karte und SIM wählen, allerdings wollte meine SIM karte einfach nicht in den SD Slot passen. Nach einiger Recherche fand ich heraus, dass dieses Feature nicht für den europäischen Markt vorgesehen ist. Zu den Touchscreentechnologien wie “Knuckle” gehe ich im Punkt Software näher drauf ein. Huaweis Implementierung von Force Touch konnten wir nur im Hands-On am Stand auf der IFA ansehen, da dieses Feature ausschließlich bei der 128 GB Variante des Mate S verfügbar ist.

Das Display löst mit Full-HD auf, was jedem, der mit VR nichts am Hut hat, bei 5,5 Zoll Bildschirmdiagonale völlig reichen sollte. Die satten Farben des OLED Screens gefielen mir ebenfalls sehr. Außerdem bietet das mitgelieferte Smartcover die Möglichkeit, stromsparend Infos anzuzeigen. Der Akku ist mit seinen 2.700 mAh auch nicht gerade riesig geworden. Er bringt einen bei normaler Benutzung zwar über den Tag, abends muss der Akku aber in jedem Falle geladen werden. Meiner Meinung nach hätte dieser schon etwas größer werden dürfen für ein 650€-Handy.

Was Huawei mit Abstand am besten kann, ist den Empfang immer sehr hoch zu halten. In keinem anderen Handy hatte ich in der S-Bahn so gut wie immer Empfang und noch nie habe ich die Stimme am anderen Ende der Leitung so klar gehört. Hier muss man wirklich sagen: Hut ab, Huawei!

Kamera

IMG_9085Die Kamera macht wirklich tolle Bilder grade auch bei wenig Licht. Einfach aus der Hand macht die auch bei wenig Licht schöne Fotos. Auch der “Makro”-Fokus ist beeindruckend, denn bis ca. 5cm vor der Linse können Objekte fokussiert werden. Die Oberfläche der Kamerasoftware ist auch ganz gut gelöst, man findet sich schnell zurecht und sie bietet viele Einstellmöglichkeiten. Langzeitbelichtungen (nur mit Stativ) bieten hier eine klasse Möglichkeit etwas kreativere Bilder zu knipsen.

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Langzeitbelichtungen auf dem Smartphone – allerdings natürlich nur mit Stativ

Also hier bei der Kamera hält Huawei wirklich was sie versprechen – wirklich Top Smartphone-Kamera. Verwirrend fand ich allerdings alles was mit der Frontkamera zu tun hatte. Das Handy blitzte auf einmal in mein Gesicht (ja ein Selfie-Blitz!) und verzog mein Gesicht dank dem Beauty-Modus, den man aber zum Glück abschalten kann. Naja, vielleicht braucht das einer dieser Instagram und Snapchat Fashion-Girls/Boys ja.

Software

Jetzt komm ich wohl zum kritischsten Abschnitt des Berichts. Aber erstmal zu den innovativen Features.
The Power of Touch. Ja die Technik hat Huawei ohne Frage drauf. Das sogenannte Knuckle in der Version 2.0 lässt den User mit dem Knöchel partielle Screenshots aufnehmen, indem man den gewünschten Bereich einfach einkreist. Außerdem wird durch doppeltes Klopfen (Knock-knock) ein klassischer Screenshot erstellt bzw. mit zwei Knöcheln der Screenrecord gestartet. Knuckle-Gesten kann man mit individuellen Anwendungen belegen, die gestartet werden sollen. Geht alles ohne Probleme und funktioniert optimal Knuckle war für mich aber auch nicht das Top Feature, was ich nicht mehr missen will.

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Auch die Steuerung mit dem Fingerprint-Sensor, der übrigens sehr schnell und zuverlässig funktioniert, beurteile ich jetzt einfach mal als “nice to have”. Funktioniert natürlich auch Prima.
So dann wollen wir mal zum Design. Wer die Oberfläche “Emotion UI” von Huawei mag und keine Lust auf etwas Zynismus hat, der liest am besten nicht weiter. Warum muss eine Hardwarefirma, die aus dem Bereich Netzwerk und Mobilfunk kommt, denken, sie könnten UIs designen? Google bringt mit dem Material Design doch so schöne strikte Richtlinien, die – glaube ich – fast jedem Menschen gefallen. Aber nein, um jede App, die nicht mindestens Milliarden mal aus dem Play Store geladen wurde oder von Huawei selbst stammt wird einfach ein abgerundetes Quadrat gezogen. Das sieht gerade bei Icons die nicht bis an die Grenze mit Inhalt gefüllt sind richtig unschön aus. Und auch wenn man jede menge UIs downloaden kann, so findet sich keine “Material” Oberfläche darunter. Klar bekommt man die Icons mithilfe des Nova Launchers wieder normal, aber eben auch nur im Launcher. Vielleicht ist es ja in China im Moment der letzte Schrei, Apples Stil möglichst ähnlich zu sein, um dadurch alle Ordnung durcheinander zuwerfen. Auch die Menüs wirken für mich sehr unsortiert, überladen und unnötig bunt.

Alles in allem bekommt man mit dem Huawei Mate S wirklich ein sehr gutes Smartphone, muss dieses Allerdings auch bezahlen. Wer sich des Geldes bewusst ist, mit der Emotion UI zurecht kommt kann zuschlagen ohne viel falsch zu machen. Die 650€ für das Modell mit dem geringsten Speicherplatz (32GB) sind trotzdem sehr viel Geld, allerdings vermute ich, werden die Preise schnell sinken.

Werdet Ihr bei Marktstart ein Mate S von Huawei kaufen?

Huawei Mate S

543,00 Euro
7.4

Design

9.5/10

Display

8.0/10

Hardware

8.5/10

Software

4.5/10

Akku

6.5/10

Pros

  • Design und Verarbeitung
  • Kamera Einstellmöglichkeiten
  • sehr klarer Telefonklang

Cons

  • Preis
  • Akkulaufzeit
  • Stark veränderte Software
  • viele vorinstallierte Apps

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