Volkswagen – ID. Workshop zur e-Zukunft

Seit der IAA 2017 haben wir eigentlich ganz guten Kontakt zu Volkswagen. Vor allem was den Bereich der Elektroautos angeht. Nun wurde ich gestern von Volkswagen in ‘Die Gläserne Manufaktur – Center of Future Mobility’ eingeladen. Dort wird aktuell der e-Golf produziert und es gab einen Workshop rund um das Thema #EletricForAll und die kommende ID.-Familie.

Ein kleiner Disclaimer vorab: So richtig tief bin ich im Thema Automobil und Elektromobilität nicht drin. Ich interessiere mich zwar dafür, bin aber noch lange keine Experte. Auch ist das Themengebiet meiner Meinung nach deutlich komplexer als Smartphones, meinem eigentlichen Hauptfeld hier im Blog. Dennoch möchte ich auch einige interessante Daten und Fakten mitgeben und auch den Ausblick teilen, welchen Volkswagen hier gegeben hat. Denn von einem bin ich überzeugt: Elektromobilität wird in unserem Alltag immer wichtiger.

Die Gläserne Manufaktur ist eine repräsentative Fertigungsstraße von Volkswagen im Bereich der Elektromobilität. Vor allem gedacht für Führungsgruppen und Events.  Hier kann man bereits aus der Lobby bei der Zusammenstellung des e-Golf zu schauen. Weitere Fahrzeuge (aus der ID.-Baureihe) sollen dann Anfang 2020 dazu kommen.

Am Standort Dresden arbeiten momentan circa 400 Mitarbeiter in einem Zweischicht-Betrieb (Früh- und Spätschicht). Täglich rollen in der Gläsernen Manufaktur 72 VW e-Golf vom Band. In Wolfsburg sind es momentan 80 Stück. Von diesen beiden Standorten werden sie in die ganze Welt exportiert.

Der e-Golf geht vor allem in Deutschland sehr gut. Hier ist er im Jahr 2018 (Stand: 01.08.18) das zweit häufigst verkaufte Elektroauto, nach dem Renault Zoe. Aktuell beträgt die Fertigungsdauer ab Bestellung beim e-Golf ungefähr 7 Monate.

Soweit die Gegenwart bei Volkswagen in Sachen Elektromobilität. Die Gläserne Manufaktur steht aber vor allem auch für die Zukunft. Und in diese Elektromobile-Zukunft hat uns VW in drei Workshops einen Einblick gegeben.

Workshop I – Der MEB

Im allerersten Workshop geht es um die die Basis der neuen ID. Elektroautofamilie und zwar den Baukasten. Für alle kommenden eAutos von VW wurde der Modulare E-Antriebs-Baukasten als Grundlage entwickelt. Dieser baut sich rund um Batterieeinheit auf und ist deutlich effizienter und platzsparender als das Baukastensystem eines Elektroautos. Teile wie zum Beispiel der Mitteltunnel fallen komplett weg. Auch nimmt der Motor deutlich weniger Platz ein, weshalb die Schnauze kürzer und der Radstand vergrößert werden kann.

Wie gesagt wurde der MEB komplett um die Batterie herum entwickelt. Diese sitzt verbaut im Unterboden unter den Sitzen der Insassen. Da diese extrem schwer ist und mittig verbaut wurde, bekommen die Fahrzeuge mit MEB-Basis einen sehr tiefen Schwerpunkt und eine sehr ausgewogenen Gewichtsverteilung. Das erhöht die Fahrdynamik und hat VW dazu veranlasst alle eAutos mit einem Zweiradantrieb als Hecktriebler zu bauen.

VW verzichtet beim MEB komplett auf gewichtsoptimierende und teure Materialien wie Carbon. Das komplette Gerüst besteht aus Stahl und soll die Grundlage für erschwingliche Elektroautos für jedermann sein.

Der MEB wurde von Grund auf neu entwickelt und enthält bis auf die 12 Volt-Batterie im Motorraum keine identischen Parts aus der Verbrennerlinie.

Durch die Optimierung auf das neue Antriebskonzept, ergeben sich auch im Innenraum ganz neue Optionen. Dinge wie die Klimaeinheit, können aus dem Innenraum in den Motorraum wandern, da dort nicht mehr diese brutale Hitze vorherrscht. Ein cooler Effekt der nebenher entsteht: Autos auf Basis des MEB in Golf-Größe werden den Platz im Innenraum eines Passats haben (der Innenraum ist immer eine Klasse höher).

Workshop II – Die Batterie

Die Batterieeinheit ist das Herzstück aller zukünftigen ID. Autos von Volkswagen. Der große Mehrwert den Volkswagen hier mitbringen möchte ist die Skalierbarkeit. Es wird wohl in Zukunft bei allen ID. Fahrzeugen drei unterschiedliche Skalierungsstufen in der Batterieeinheit. Je nach Bedarf und Anforderung des Verbrauchers. Die größte Batterie wird wohl eine Kapazität von 125 kW haben womit sich eine Reichweite nach der neuen Norm WLTP von 550 Kilometern realisieren lassen soll. Wird weniger Reichweite und Leistung benötigt, können einfach Zellen weggelassen werden um Kosten zu sparen.

Die Batterieeinheit der zukünftigen VW-Elektrofahrzeuge sieht so aus:

Sie besteht aus einem Aluminium Gehäuse und einem Crashrahmen der die Zellen vor Einschlägen von Vorne oder der Seite schützt. Zu dem gibt eine integrierte Kühlung/Heizung, einen Zell-Controller und eine Anschlussbox. Die Batterieleistung ist in den Zellmodulen untergebracht. Diese silbernen Boxen im Inneren der Batterieeinheit.

In einem solchen Zellmodul werden mehrere Zellen zusammengeschaltet. Wie zum Beispiel die prismatische Zelle:

Allerdings sind auch andere Zellen und Formen in diesen Zellmodulen verbaubar. VW möchte bei größtmöglicher Standardisierung gleichzeitig sehr flexibel bleiben. Damit bleibt VW unabhängig von Zelltypen oder Zulieferern.

Achja, ein interessanter Fakt den ich nebenbei aufgeschnappt habe und nicht kannte. Um den Verbrauchern die Bedenken bei Langzeitnutzung zu nehmen gibt VW momentan 8 Jahre oder 160.000 km Garantie auf die Batterieeinheit.

Workshop III – Die Ladeinfrastruktur

Das Hauptstichwort beim Thema Ladeinfrastruktur ist Ionity, ein Joint Venture aus Mercedes-Benz, BMW Group, VW Konzern (VW, Audi, Porsche) und Ford.

Laut VW ist die größte Sorge eines Verbrauchers beim Thema Elektromobilität die Reichweite. Obwohl normale Pendler im Schnitt täglich gerade einmal nur 35 Kilometer mit dem Auto zurück legen. Um dieser Angst entgegen zu wirken, soll ein Netz an Ladestationen in Europa aufgebaut werden.

Ionity Ladesäule mit 350 kW.

Erklärtes Ziel dieses Joint Ventures ist es die Infrastruktur für die kommenden Elektroautos zu stellen. Ionity möchte bis 2020, bis es also bei den deutschen Herstellen mit den Elektroautos so richtig los geht, 400 Ladestationen in ganz Europa aufzubauen. An diesen 400 Ladestationen sollen 2.400 Ladesäulen zur Verfügung. Jede einzelne mit einer Leistung von 350 kW. Die Ladestationen sollen alle 120 Kilometer in Europa verteilt und einfach zugänglich sein.

Damit sollen auch längere Stecken problemlos machbar werden. VW hat hier die Reichweite von 700 Kilometer Autobahn als Beispiel ran genommen.

Ein weiteres brisantes Thema beim Elektroauto ist auch das Laden zu Hause, im Parkhaus oder im Büro. Um hier die Entwicklung weiter zu treiben möchte Volkswagen günstige Wallboxen für Verbraucher anbieten.

Eine Wallbox von VW.

Diese wird es in drei Größen geben:

  • Klein: 11kW für 300 €
  • Mittel: 22 kW für 500-600 €
  • Teuer: 22 kW Bidirektional (das Auto kann auch Strom einspeißen) ??? €

Insgesamt sind die Gedanken von Volkswagen also schon sehr weit und konkret. Man macht sich viel Gedanken auch über das eigentlich Auto hinaus. Das Thema Elektroauto benötigt einfach noch ein bisschen Zeit. Spätestens 2020 wird es aus meiner Sich so richtig in Deutschland los gehen. Und so lange ist das ja auch nicht mehr.


An dieser Stelle auch noch herzlichen Dank an Volkswagen für die Einladung nach Dresden in die Gläserne Manufaktur und vor allem persönlichen Dank an Deniz Berber, der das Ganze gestern für mich ermöglicht hat. Danke!

Sebastian

Ich interessiere mich seit langer Zeit für Technik. Vor allem Smartphones und Tablets faszinieren mich. Ich mache leidenschaftlich gerne Fotos und Sport. Hauptberuflich arbeite ich bei einem IT Beratungshaus als Account Manager.

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1 Antwort

  1. Karl Heisler sagt:

    Ich seit Februar 2018 einen Hyundai IONIQ Elektro, es ist zur Zeit das einzige leistbare E-Mobil.
    vor den IONIQ hatte ich VW-Golf, ab Juni 1998 den neuen Passat ( das beste Auto was ich jemals hatte)
    In einen Anflug von geistiger Verwirrung habe ich mir dann den neuen C-Klasse 2.2 Liter gekauft das teuerste u. schlechteste Auto meiner beruflichen Laufbahn. Ich bin im Außendienst 60.000 Km im Jahr gefahren.
    Als Pensionist habe ich mir dann einen VW-BORA gekauft, war auch gut.
    Der super IONIQ hat Frontantrieb, die Akkus sind im Fahrzeugboden auf der angetriebenen Vorderachse fehlt natürlich das Gewicht. Mir würde als nächstes E-Mobil der neue VW-E-BULLI als Allradler gefallen.
    Natürlich auch eine Autonome Version !!!!

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